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Biegevorrichtung für Zargen

Bei den klassischen Gitarrenbauern verbreitet sich immer mehr eine "halbautomatische" Biegevorrichtung für Zargen, genannt FOXBENDER.
Foxbender

Hier ein Link zu einem Selbstbauprojekt:

Selbstbau - Foxbender

Das Prinzip ist überraschend einfach (Heizung erfolgt mit Glühbirnen !!) und hat mich von Anfang an fasziniert. Meine Überlegungen sind, ob man das nicht auf Basszargen anwenden könnte und sozusagen ein modifiziertes Gerät zu bauen. Doch hat die Sache einen Haken : ich hatte bisher zuwenig Zeit und das Ganze hat eigentlich auch nur Sinn wenn man vorhat mehrere Bässe zu bauen.

Also vielleicht ist dieses Gerät eine Anregung für professionellere Bassbauer ?

In herkömmlicher Weise werden Zargen über ein erhitztes Rohr, idealerweise Aluminium wegen der guten Wärmeleitfähigkeit, gebogen. Das Erwärmen des Rohres erfolgt verschiedentlich mit Bunsenbrennern, Heizstäben, etc. Da ich aber nicht vorhabe meine Werkstatt abzubrennen, hab ich mich entschieden einer Anregung von Harry S. Wake in seinem Buch A Luthiers Scrapbook zu folgen.
Hier wird eine ausgediente E-Heizspirale von einem Backofen in ein Alurohr eingebaut. Man erhält dadurch eine elektrisch beheizte Biegevorrichtung ähnlich den fertigen Geräten, die es z.B. für den klassischen Gitarrenbau zu kaufen gibt.

Zuerst habe ich mir also im Internet bei Ebay einen handelsüblichen Rundheizdraht eines E-Herdes besorgt. Gibts dort um 1...Diese Heizdrähte haben ganz normal 220V mit meist 2 Steckanschlüssen.
Rundheizdraht von E-Herd
Heizdraht gebogen
Diese Heizdrähte kann man ganz einfach biegen und so in die gewünschte längliche Form bringen. Aber Achtung, nicht den Teil mit dem eingelöteten E-Anschluß beleidigen.

Weiters benötigt man noch ein Alurohr mit ca. 80mm Aussendurchmesser und Wandstärke von ca. 10mm. Die Länge sollte mind. 250mm betragen (Zargenbreite ist ja meist so um die 200mm).

Hier eine sehr gute Anleitung zum Biegen von Gitarrenzargen von STEWMAC

Nachdem ich mir nun ein passendes Aluminiumrohr mit 80x10mm, Länge ca. 300mm besorgt habe, benötige ich noch eine "Steuerung" für den ganzen Spaß. Daher flugs im WeitWeitWeb gesearcht - und siehe da - hier gibts günstige Thermostate (Backofenthermostat)
Backofenthermostat

Nordpart Shop und dazu passende Knöpfe (Knebel). Das Ganze um weniger als 15,-Euros......suuuper

Das Alurohr hab ich nun zum Schlosser getragen und ihn gebeten mir auf einer Seite im rechten Winkel eine Flanschplatte aus Alu z.B. 100x100x10mm anzuschweißen.

Nun benötigt man noch einen Holzwürfel für die Elektrik, zur Montage des Alurohres und als Basis zum Befestigen an der Hobelbank o.ä.

Dazu ein  paar rumliegende Massivholzbretter zugehobelt  (in dem Fall Eiche) damit dann, nach Verleimung  derselben ein Würfel mit ca. 120x120x120mm entsteht. Ich hab hier gleich 3 Würfel gemacht, deshalb die Länge der Bretter. Nach dem Leimen den Block auf der grossen Kreissäge zurechtschneiden  und dann noch auf der Bandschleifmaschine fein schleifen und die Kanten brechen.
Eichenbretter Eichenleisten verleimen Würfel roh Würfel fertig
So nun wird mit der Oberfräse dem Block zu Leibe gerückt und der Hohlraum zur Aufnahme des Thermostat gefräst. Dazu hab ich mir auf die Schnelle als vergrößerte Fräsauflage eine MDF-Platte auf den Block aufgeschraubt. Auf dieser Platte zeichnete ich mir den Umriss der gewünschten Ausfräsung an. Nun wird mit der Oberfräse entlang dieser Kontur bis zur erforderlichen Tiefe gefräst.
ACHTUNG - Gefährliche Arbeit !
Auflageplatte Fertige Ausfräsung E-Fach Abdeckung
Als Abdeckung für das eben gefräste E-Fach verwende ich Alublech mit ca. 120x80x2mm. Die erforderlichen Befestigungslöcher werden gebohrt und anschließend die Sichtseite mit feinem Schmirgelpapier in eine Richtung geschliffen. Das ergibt eine schöne Oberfläche. An diese Platte wird auch das Thermostat montiert.
Mittlerweile habe ich von meinem Schlosser auch das Alurohr mit aufgeschweißter Flanschplatte gemäß meiner Skizze retour bekommen. Mittig in diese Platte bohr ich ein Loch mit ca. 10mm zur Kabeldurchführung. Weiters kann man nun von oben den Heizstab einfädeln. Den Heizstab hab ich etwas breiter als den Innendurchmesser gelassen - damit es schön im Rohr klemmt und festgehalten wird. An die beiden Pole des Heizstabes kommen Silikonumhüllte, hitzebeständige Kabel.
Alurohr mit Flansch Heizstap in Alurohr eingeschoben Alurohr mit Kabel
Von einer hitzebeständigen Dichtplatte (wie sie in der Installationstechnik, Motorenbau, etc. verwendet werden) wird eine passende Zwischenplatte zur Isolierung des heissen Alu zum Holz hin angefertigt. Diese wird dann mit verschraubt. Auch hier mittig ein Loch mit 10-20mm bohren.
Isolierplatte Alurohr auf Holzblock
Nach Montage des Alurohres auf dem Holzwürfel und Durchfädeln der Kabel ins E-Fach wird der Fühler vom Thermostat retour ins Alurohr eingefädelt. Der Fühler ist einpolig und ein Kapillarrohr, welches nach Hitzeausdehnung den Stromkreis unterbricht. Danach wird seitlich in den Würfel ein Loch für die Zuleitung bzw. das Anschlusskabel (3-polig) gebohrt. Das Anschlußkabel mit 220V-Stecker wird eingeführt und eine 3-polige Klemmleiste montiert. Diese innen im Holzwürfel zugleich als Zugentlastung festschrauben. Nun einen Pol des Heizstabes direkt mit einer Ader (z.B. Nullleiter = blau) der 220V-Zuleitung verbinden. Dann den zweiten Pol vom Heizstab mit 1. Anschluss von Thermostat verbinden. Zweite Ader (z.B. Phase = schwarz) mit 2. Anschluss von Thermostat verbinden. Zuletzt die E-Fachabdeckung aus Alublech mit Erdung (3. Ader von Zuleitung = grün/gelb) verbinden
Fühler von Thermostat in Alurohr Zuleitungskabel einziehen Klemmenleiste Erdung und anklemmen
Voila ! Nun alles zusammengeschraubt. E-Fach Abdeckung drauf und Bedienknopf von Thermostat aufstecken. Fertig ist das elektrische Bending Iron !
Fertiges Bending Iron - Biegeeisen Biegeeisen eingespannt in Schraubstock
Hier stell ich noch eine CAD-Zeichnung des Biegeeisens ein.
BendingIron.pdf

Verbesserungen:

Alternativ hab ich bei Biegeeisen Version #2 einen passenderen Heizdraht bei Ebay gekauft (ca. 30Euro). Dieser hat schon Anschlussflansch mit Dichtung und Stecker. Dann hab ich noch daneben ein kleines Loch für den Temperaturfühler gebohrt. Der Heizdraht wird festgeschraubt und Fühler reingesteckt.
Heizdraht mit Flansch Heizdraht mit Flansch Heizdraht mit Flansch
So nun alles wieder zusammengebaut und Test - super heizt schon !

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