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Anschäfter (Neck Spline)

Für den Anschäfter besorgt man sich entsprechendes trockenes Tonholz.
Ich habs konkret von Traditional Tonewoods, Dr. Zach in Mariazell, NÖ.
Die breitere Seite wird mit Winkel kontrolliert ob der Zuschnitt symmetrisch ist.

Nun zuerst diese Seite auf der Hobelbank abrichten (da kommt dann das Griffbrett dran). Da in meinem Fall vom Hals nur mehr die Schnecke übrig ist kenne ich nicht den exakten Halswinkel. Mit Hilfe einer gebauten Lehre wird an der vorhandenen Nut (Neck Mortise) im Korpus für den Halsfuss (Neck Butt) der Winkel ermittelt.
Halswinkel am Korpus bei gegebener Nut ermitteln

Weiters muss die nötige Halslänge in Bezug auf Korpuslänge ermittelt werden.
Verhältnis Halslänge - Korpuslänge

Es gibt grob 3 verschiedene Methoden Anschäfter herzustellen:

1.Saxon-Graft (Englische Methode)

Diese Verbindung zeichnet sich durch eine waagrechte Schnittlinie parallel zur Griffbrettkante aus. In der Draufsicht verläuft der Schnitt konisch verlaufend im Wirbelkasten gegen Null aus.
2.French-Graft (Französische Methode)

Bei dieser Anschäftung ist die Schnittlinie ebenso parallel zur Griffbrettkante. Jedoch stoppt in der Draufsicht der eingesetzte Teil in Höhe des 2. Wirbellochs mit 90. Weiters verläuft hier der Konus parallel zu der Aussenkontur des Wirbelkastens (Pegbox).
3.Bavarian-Graft (Bayrische Methode)

Hier wird in einem steilen Winkel die Schnittlinie gelegt. Dadurch hat man nur eine Ebene und ebenso in der Draufsicht parallel zur Aussenkante verlaufende Flächen. Man hat somit nur einen dreiseitigen Konus herzustellen. Ein Vorteil des steilen Schnittwinkels liegt.in der Gegenwirkung bezogen zum Saitenzug in den Wirbelkasten, da hier beinahe rechtwinkelig gegengehalten wird.

Als Amateur :-) entscheide ich mich für die offensichtlich einfachere, aber effektivere Methode Nr. 3.
Zuerst reisse ich die groben Halskonturen am Rohling auf. Dann bohre ich mit einem grossen Forstnerbohren rechtwinkelig mit Übermass die beiden Rundungen von Halsfuss und oben beim Sattel. Danach wird mit der Bandsäge der Rest rausgesägt.

Nun lege ich den optimalen Schnittwinkel an der verbliebenen Schnecke fest. Dieser sollte lt. David Brownell ca. 30-40 steil sein und in etwa über dem 2ten Wirbelloch an der Oberseite des Kastens auslaufen. Weiters an der Oberseite der Wirbelkastenwand (Cheek) jeweils mittig eine Linie anzeichnen. Diese setzt sich an der Stirnseite links/rechts nach unten fort. Hier sollte dann in etwa 3,5mm ober dem Knopf (Chamfer) Schluss sein.

Nun mit einer guten Japansäge innerhalb der Schnittmarken beidseitig schräg an der Wirbelkastenwand runtersägen. Immer Achtung auf die Hilfsliniken geben und nicht zu tief bzw. in falschem Winkel sägen. Mit schrägen Schnitten den mittleren alten Teil des Halsansatzes grob entfernen.

Weiter gehts mit Stechbeitel und Hobel. Die 3 Leimflächen sauber nacharbeiten und mit Hobel und Ziehklinge eben arbeiten. Parallel bereite ich den Halsrohling detaillierter vor um die exakte Mitte und spätere Position von Griffbrett anzuzeichnen. Ebenso wird bereits beidseitig der Halsfuss mit Übermass mittig rausgearbeitet.

Es ist sehr wichtig dass der Sitz der Schnecke immer auf mittige Ausrichtung kontrolliert wird. Der Anschäfter wird mal grob symmetrisch rausgearbeitet und die Konusflächen im richtigen Winkel angehobelt. Umso feiner die Arbeit wird sollte man Vorsicht walten lassen: Was weg ist - ist weg :-) Mit Kalk werdendie Leimflächen angestaubt um bei Kontakt der Teile besser die Engstellen sehen zu können. Hier mit viel Geduld nacharbeiten bis die Schnecke korrekt sitzt. Achtung auch auf den Winkel der Schnecke. Der Scheckenkopf sollte vorne in einer gedachten Linie mit Griffbrettkante abschliessen.

Nach dem Anpassen der beiden Teile werden diese nun verleimt. Ich nehme hierzu normalen hochfesten Tischlerleim, denn diese Verbindung soll ja im Gegensatz zu anderen mit Warmleim nicht mehr öffenbar sein sondern wieder ewig halten.Nach dem Verleimen gehts ans Anpassen des Rohlings an die Schnecke. Weiters wird der Wirbelkasten wieder ausgearbeitet. Hier erspart man sich etwas Arbeit wenn man vorsichtig mit Holzbohrer das Gröbste vorweg rausbohrt.


Bevor man allerdings zu sehr ins Detail an der Schnecke geht sollte man sich nun auch dem Halsfuss widmen Hier übertragen wir den ermittelten Halswinkel. Jetzt sollte auch bereits die fertige Halslänge in Bezug zur angestrebten Mensur bekannt sein ! Am 4ten Bild sieht man übrigens sehr schön die Sperrholzschicht der Decke. Framus dürfte 4-lagiges Holz verwendet haben. Mit der Hobelmaschine richte ich den Boden des Halsfusses ab und achte immer auf korrekte Winkeligkeit.


Es ist auch wichtig hier immer den gesamten Halswinkel bzw. mittige Ausrichtung desselben in Bezug zum Korpus zu kontrollieren. Mit diversen Schnitz- u. Hobelwerkzeugen arbeite ich den konisch nach hinten verlaufenden Halsfuss immer kleiner bis er perfekt in die bestehende Nut (Mortise) passt.


Sobald ich den hinteren Teil sprich den Korpusboden (Back) erreiche , übertrage ich auch diesenWinkel auf den Hals. Der Hals wird soweit eingesetzt, dass er vorne an der Decke ca. 25mm übersteht. In Kombination mit dem anfangs ermittelten Halswinkel sollte eine fertige Steghöhe von ca. 160-170mm erreicht werden.


Nächster Schritt ist die Anpassung des Daumenstopps bzw. ob der Hals D oder Eb-Mensur bekommt.


Hier sehen Sie an den Fotos dass eine D-Mensur (ca. 346mm bei 1040 Saitenlänge) etwas komisch aussieht. Ich vermute mal dass die Framus-Bässe Eb-Mensur hatten (ca. 385mm vom Sattel). Daher versetze ich den Daumenstop weiter nach unten auf 384,8mm (Eb). Nach dem groben Zuarbeiten der Halskontur wirds nun immer feiner. Das Halsprofil wird nun mit Schleifpapier und Ziehklinge verfeinert. Ein D-Profil bzw. halbrund ist ideal. Man könnte hier aber auch seine Vorlieben einfliessen lassen. Wichtig ist ein völlig gerader Verlauf des Halsrückens. Weiters sollte oben beim Ansatz nach der Schnecke die dünnste Stelle ohne Griffbrett ca. 23mm aufweisen. Unten vorm Daumenstop sind 27-30mm ideal. Damit ergibt sich mit Griffbrett ein Verlauf von 38mm (A auf G-Saite)- 44.5mm(D auf G-Saite).
Nachzulesen bei Chuck Traeger Kap. 24 - Neck Thickness.
Es ist auch das Verhältnis Halsstärke-Griffbrett maßgeblich.


Umso feiner die Oberfläche desto feiner das Schleifpapier. Hier immer wieder dazwischen die Oberfläche mit Wasser befeuchten um die Fasern aufzustellen. Da der Halsrohling für sich vorerst fertiggestellt ist gehts ans Einleimen. Zuvor arbeite ich aber die alte Halsnut am Korpus nach und bessere divere Schäden aus. Oft ist auch die Werkstattdecke als Verleimhilfe gerade recht. Zuletzt wird der Hals winkelig und korrekt ausgerichtet eingeleimt. Achtung hier Warmleim verwenden - soll ja später wieder mal reparierbar sein !

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